Großer Habakuk

Kunsthalle, Düsseldorf

Vom Gipsmodell zur monumentalen Bronzefigur – Max Ernsts Werk „Habakuk“.

Kunst
Künstler*inMax Ernst
Hermann Isenmann
Entstehungszeit1934
1971 (Aufstellung/Installation)
MaterialGips, Bronze
TechnikBronzeguss (Vergrößerung)
Maße52 cm (Gipsmodell), 3,5 - 3,9m (Vergrößerung)
VerfahrenDirektauftrag von Hermann Isenmann für den Bronzeguss auf Basis des Gipsmodells vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen.
Kosten50.000 DM
Bau
AdresseGrabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
Sanierung2000–2002 Rheinflügel Severin
StandortGrabbeplatz, vor dem Eingang der Kunsthalle
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Karte
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Das Modell: Entstehung und Symbolik

Die Figur "Habakuk" wurde von Max Ernst im Winter 1934 als Gipsguss erschaffen und zählt zu den bedeutendsten surrealistischen Werken des Künstlers. Die Skulptur basiert auf Gussformen von drei unterschiedlich großen Blumentöpfen, die zusammen den Körper des Habakuk bilden. Die Anordnung der Fundstücke sowie deren modellierende Bearbeitung resultierten in einer vogelähnlichen Gestalt, welche auf einem runden Sockel positioniert ist. In der Folge der ersten Präsentation der Skulptur im Jahr 1936 auf der Ausstellung "Exposition surréaliste d'objets" in Paris nahm Max Ernst entscheidende Änderungen vor. Während der Blick des Habakuk zunächst nach unten gerichtet war, neigt sich der Kopf nun nach oben, wodurch dem Wesen eine prophetische Ausstrahlung verliehen wird. Die zuvor am Topfrand neben dem Schnabel angebrachten Augen wurden nun direkt am Schnabel befestigt, wodurch die Transformation zu einem Seher betont wurde.

Die Skulptur wurde von Max Ernst nach dem alttestamentarischen Propheten Habakuk benannt, dessen Bedeutung und Symbolik für den Künstler in seiner Mythologie eine wichtige Rolle spielte. Die Figur des Habakuk verkörpert den Typus des Sehers und Warners, der mit seiner prophetischen Gabe die Zukunft deutet. Diese Thematik durchzieht Ernsts künstlerische Arbeit wie ein roter Faden. Die Figur reflektiert nicht nur den biblischen Hintergrund, sondern integriert auch Ernsts eigene surrealistische Visionen von Mischwesen und Phantasiegestalten.

Die große Umsetzung: Bronze und Monumentalität

Im Jahr 1971 wurde der "Habakuk" auf Initiative des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen zu einem Monument. Hermann Isenmann, ein renommierter Bildhauer, modellierte die Figur basierend auf Ernsts Originalgipsmodell in siebenfacher Vergrößerung neu. In der Folge wurde das Werk von der Kunstgießerei Schmäke in Bronze gegossen, wodurch der "Große Habakuk" eine monumentale Höhe von 350 cm erreichte. Die Herstellungskosten beliefen sich auf 50.000 DM, wobei die Stadt Düsseldorf lediglich die Transport- und Fundamentierungskosten übernahm. Am 13. Mai 1971 erfolgte die feierliche Aufstellung der Bronzeplastik auf dem Grabbeplatz vor der Kunsthalle Düsseldorf. Der damals 80-jährige Max Ernst war bei der Enthüllung anwesend, was die Bedeutung dieses Ereignisses unterstrich. Die Stadt Düsseldorf übernahm die Plastik als Dauerleihgabe, wodurch sichergestellt wurde, dass das Werk in der Stadt, zu der Ernst eine besondere Beziehung hatte, dauerhaft präsent bleibt.

Die monumentale Umsetzung des "Habakuk" verlieh der ursprünglichen Skulptur eine neue Dimension und Bedeutung. Während das Gipsmodell ein subtiles surrealistisches Objekt darstellte, entwickelte sich der "Große Habakuk" zu einem markanten Wahrzeichen in der Düsseldorfer Kunstszene. Die Bronzeplastik wurde im Jahr 1989 auf einen Wert von 400.000 bis 500.000 D-Mark geschätzt und stellt bis heute einen zentralen Bestandteil des öffentlichen Kunstraums in Düsseldorf dar.

Der "Große Habakuk" fungiert als exemplarisches Beispiel dafür, wie ein Künstler seine Vision von einem kleinen Modell zu einem monumentalen Kunstwerk transformieren kann. Dieses bleibt über Jahrzehnte hinweg von Faszination geprägt und überschreitet in eindrucksvoller Weise die Grenzen zwischen Surrealismus und öffentlicher Kunst.

Galerie
Vita

Max Ernst, geboren 1981 in Brühl, verstorben 1976 in Paris.

Während seines Studiums in Bonn knüpfte er Kontakte zu führenden Vertretern des Expressionismus und beteiligte sich im Jahr 1913 an wichtigen Ausstellungen. Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte er in Köln die Dada-Bewegung. Im Jahr 1922 übersiedelte er nach Paris, wo er eine zentrale Rolle im Surrealismus einnahm. Sein Œuvre umfasst Malerei, Collagen und Plastiken. Ernst experimentierte mit Techniken wie Frottage und Collage und schuf bedeutende Werke wie den Collageroman "La femme 100 têtes".

Im Jahr 1941 emigrierte er in die USA, kehrte jedoch 1953 nach Frankreich zurück. Im Jahr 1954 wurde er mit dem Großen Preis der Biennale von Venedig ausgezeichnet.